Der Dickenflüsterer


Das seelische Wohlbefinden ist für den Dickenflüsterer einer der wichtigsten Bestandteile einer Diät. Bei seinen Vorträgen will Fricke in die Rolle eines Motivationstrainers schlüpfen, trotz des ernsten Hintergrunds soll gelacht und vielleicht manchmal auch geweint werden. Jedenfalls werde es sehr emotional zugehen: „Es wird eine kleine Show. Ich möchte meine Zuhörer zum Nachdenken bringen und werde ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.“
Schließlich weiß der einstige 221-Kilo-Mann, wovon er spricht. Als Ziel hat er übrigens ein Gewicht zwischen 100 und 110 Kilo ins Auge gefasst. „Dann hätte ich mich quasi halbiert.“ Seine Botschaft soll den Dicken Mut machen:

„Was ich kann, können andere auch.“



Einsamkeit und Überforderung

Aufgrund seiner eigenen Lebensgeschichte und beruflichen Erfahrung als Koordinationsassistent der Adipositas-Sprechstunde von Chefarzt Dr. Claas Brockschmidt am Hasper Krankenhaus kann sich Christian Fricke wie kaum ein anderer in die Gefühlswelt übergewichtiger Menschen hineinversetzen.

Wie ein Pferdeflüsterer erkenne, ob mit dem Tier alles in Ordnung sei, so könne er einem Betroffenen bisweilen auf den ersten Blick ansehen, wie es ihm gehe: „Und dadurch entsteht sehr schnell ein Vertrauensverhältnis.“

Adipöse Menschen seien oft traurig, und wenn sie nach außen auch stark und kontrolliert wirkten, so würden in ihrem Inneren Einsamkeit und Überforderung herrschen: „Sie leiden oft an fehlendem Selbstwertgefühl.“
Fricke selbst ist noch heute in psychotherapeutischer Behandlung, um zu reflektieren, was er in seinem Leben noch zum Besseren ändern kann: „Oder um mir einfach mal die Dinge von der Seele zu reden.“ Die meisten Übergewichtigen wüssten zwar um den geheimen Auslöser ihrer Essprobleme, würden die Aufarbeitung jedoch geschickt verdrängen:

„Denn wenn man sich seinen Problemen stellt, ist das verletzend und sehr, sehr schwer. Aber wegzulaufen ist keine Alternative. Man muss sich stellen.“